Sieben Partner, ein Ziel – gemeinsam auf die Schiene. Sieben Unternehmen haben kürzlich eine Verlagerung auf die Bahn und die Leistungsfähigkeit des Kombinierten Verkehrs (KV) getestet. Die Bilanz des von der Mittelstands-Kooperation Transcoop09 initiierten Pilottransports: fast drei Viertel weniger ausgestoßenes CO2, eine vergleichbare Laufzeit mit dem Lkw und eine gute Ausgangsposition für eine Kostenparität mit dem Straßentransport. Sie kann eintreten, wenn aus dem Pilottransport später ein Regelverkehr werden sollte. Insgesamt fielen bei der im KV abgewickelten Ladeeinheit von Ostrhauderfehn (Landkreis Leer) nach Ludwigshafen 630 Kilogramm oder 73 Prozent weniger klimaschädliches CO2 gegenüber dem Straßentransport an.

Was die Laufzeit angeht: Trotz einer erhöhten Komplexität des Intermodaltransports durch mehrere Schnittstellen und zwei Kranumschläge in Dörpen und Ludwigshafen ist sie mit der eines Straßentransports vergleichbar. Die Spedition Focko Lüpsen & Sohn aus Filsum, die den Pilottransport abwickelte, kalkuliert für den Lkw-Transport etwa acht Stunden reine Fahrzeit, auf die eine elfstündige Ruhezeit folgt. Die Auslieferung kann damit erst am nächsten Tag erfolgen. Bei Nutzung des Zugangebots des Intermodal-Spezialisten Kombiverkehr ist diese Laufzeit ebenfalls dreimal pro Woche möglich. Jeweils montags, mittwochs und freitags startet abends ein Ganzzug vom Terminal der Dörpener Umschlaggesellschaft für den kombinierten Verkehr (DUK) zum KTL Kombi-Terminal Ludwigshafen, das er am Folgetag erreicht.
Zustellung zum gebuchten Zeitfenster um 12 Uhr in Ludwigshafen
Dieser Fahrplan wurde auch beim Pilottransport eingehalten: Zwar traf der Güterzug am nächsten Morgen mit zwei Stunden Verspätung erst um halb neun in Ludwigshafen ein. Trotzdem erreichte die Ladeeinheit pünktlich ihr gebuchtes Zeitfenster um 12 Uhr bei einem Baumarkt im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim. Die Auslieferung erfolgte mit einer Elektro-Zugmaschine von Scania, die zum KTL-Fuhrpark gehört. Die Ladeeinheit – ein 45-Fuß-Curtainsider-Wechselbehälter Wecon StackmaX45 – hatte der Aufbautenhersteller Wecon aus Ascheberg zur Verfügung gestellt. Die Besonderheit der Ladeeinheit: Sie ist sortenrein stapelbar, beladen dreifach und unbeladen vierfach übereinander. An Bord der Box im Rahmen des Pilottransports: 26 Paletten mit Blumenerde des Unternehmens Floragard mit einem Gesamtgewicht von 24 Tonnen.
Bleibt die Kostenbetrachtung: Die Spedition Lüpsen geht davon aus, dass im Fall eines möglichen Regeltransports im KV ebenfalls eine Parität gegenüber dem reinen Straßentransport machbar ist. Zwar fallen der Vor- und Nachlauf und die beiden Terminalumschläge zusätzlich bei den Kosten ins Gewicht. Auf der anderen Seite profitiert das Logistikunternehmen von einer höheren Effizienz, weil im Intermodaltransport innerhalb von Deutschland Lkw-Gesamtgewichte von 44 Tonnen erlaubt sind – beim Einsatz eines Elektro-Lkw im Vor- und Nachlauf sind es sogar 46 Tonnen, um die erhöhten Batterie-Gewichte auszugleichen.
Dirk Lüpsen: Fahrer-Engpass als Hebel für den Kombinieten Verkehr
Für Lüpsen wäre die erhöhte Tonnage eines der Argumente für die Schiene. Die Ladeeinheit hätte noch Platz, sodass bei einem möglichen Folgetransport theoretisch noch mehr als die 26 Paletten mit Blumenerde verladen werden könnten. Ebenfalls in die Berechnung einbeziehen muss man laut Logistikunternehmer Dirk Lüpsen die eingesparten Personalkosten, weil der Fahrer im Hauptlauf nicht dabei ist und in der Zeit andere Transportaufgaben übernehmen kann. Ohnehin werde es immer schwerer, die nötigen Fachkräfte überhaupt noch zu finden.

Ein weiterer Hebel für eine erhöhte Effizienz im Intermodalverkehr ist eine Paarigkeit der Verkehre. Im Fall der Kombiverkehr-Verbindung von Dörpen nach Ludwigshafen ist ein Zugpaar immer dienstags, donnerstags und samstags in Gegenrichtung unterwegs. Klappt ein Rundlauf – also eine Beladung der Transporteinheit und ein Rücktransport noch am Tag der Ankunft in Ludwigshafen – hat das entsprechenden Einfluss auf die Gesamtkalkulation. Im Fall der Pilotverladung gelang es der Disposition bei Lüpsen, gleich noch eine Rückladung von Karlsruhe nach Meppen zu akquirieren. War die Brücke auf dem Hinweg noch mit Blumenerde beladen, so waren auf dem Rückweg neun Pakete Stahlbleche zu jeweils 2,6 Tonnen an Bord. Sie kamen ebenfalls, wie mit dem Kunden vereinbart, am nächsten Tag beim Empfänger an. Ob Erde oder Stahl – vielen Gütern ist das Transportmittel egal. Mit Blick auf den Klimaschutz ist die Bahn jedoch die erste Wahl.
Die Akteure des Pilotprojekts
„Wir freuen uns sehr, dass unser Mitgliedsunternehmen Focko Lüpsen & Sohn gemeinsam mit TC09 und weiteren starken Partnern einen Pilottransport im Kombinierten Verkehr organisiert hat. Die Erkenntnisse daraus sind vielversprechend und wir freuen uns auf die möglichen nächsten Schritte.“
Josef Perisa, Vorstand, Transcoop09, Senden
Zwei Wege, ein Ziel: mit kombinierten Stärken in die Zukunft der Logistik. Wir haben schon in der Vergangenheit immer wieder die Kombination aus Straße und Schiene durchgespielt. Der größte Hebel für die Schiene wird unserer Einschätzung nach künftig der akute Fahrermangel sein.“
Speditionsleiter Mirco Neemann, Focko Lüpsen & Sohn, Filsum
Die Pilotverladung hat uns wichtige Einblicke und Erkenntnisse gebracht. Geht es eines Tages in Richtung eines Regeltransports, wird die Paarigkeit der Verkehre die größte Herausforderung werden.“
Geschäftsführer Dirk Lüpsen, Focko Lüpsen & Sohn, Filsum
„Dörpen – Ludwigshafen v.v. ist nur eine von vielen nationalen und internationalen Verbindungen in unserem weitreichenden Intermodal-Netzwerk. Wer zukünftig auf klimafreundlichen und sicheren Transport auf der Schiene setzen möchte, findet bei uns den schnellen Einstieg.“
Mohsen Abedi, Vertrieb, Leiter Nationaler Verkehr, Kombiverkehr, Frankfurt
„Der Kombinierte Verkehr bietet eine Vielzahl an Chancen und praxiserprobten Lösungen für Logistiker. Jedes öffentlich gemachte Beispiel einer erfolgreichen Umsetzung trägt dazu bei, diese Potenziale sichtbar und greifbar zu machen.“
Daniel Hemker, Geschäftsführer Wecon, Ascheberg
„Unser Terminal im GVZ Emsland bietet Potenzial und aktuell drei Züge wöchentlich nach Ludwigshafen und zurück. Aktuell sind wir mit zahlreichen Baustellen auf der Schiene konfrontiert. Aber wenn man Puffer einbaut, kann man damit umgehen, von CO2-armen Transporten profitieren und gleichzeitig die Straße entlasten.“
Michael Nintemann, Geschäftsführer Dörpener Umschlaggesellschaft für den kombinierten Verkehr (DUK)
„Wir haben den Test gerne begleitet, natürlich um noch mehr Kunden in den Kombinierten Verkehr zu bringen. Ich finde zudem den Ansatz mit der stapelbaren Wechselbrücke spannend. Gerade in Terminals gibt es häufig Platzengpässe beim Abstellen von Wechselbehältern, Stapelbarkeit bringt hier natürlich Vorteile.“
Harald Schlegel, Geschäftsführer KTL Kombi-Terminal Ludwigshafen





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