Dieser Gastbeitrag von Martin Jacobs und Heiko Krebs ist erschienen im Bahn Manager, dem Wirtschaftsmagazin für den Bahnsektor.
Martin Jacobs ist Director Client Solutions bei shipzero in Hamburg. Heiko Krebs ist Geschäftsführer der Kombiverkehr KG und verantwortet die Bereiche Produktion, Netzwerksteuerung, IT, Personal und Beteiligungen.
Kunden von Transport- und Logistikunternehmen erwarten zunehmend, dass diese ihre CO2-Emissionen präzise dokumentieren. Eine neue Partnerschaft zwischen dem Intermodal-Operateur Kombiverkehr und der branchenführenden Emissionsmanagementplattform shipzero setzt genau hier an. Das Ziel: den ökologischen Fußabdruck von Schienentransporten messbar und dadurch als strategischen Wettbewerbsvorteil nutzbar zu machen. Ein Einblick in ein Projekt, das der Branche zeigt, wie sich Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg verbinden lassen.
CO₂-Emissionen rücken stärker in den Fokus unternehmerischer Berichterstattung. Was früher freiwillige Umweltleistung war, wird aufgrund von Regulierungsvorschriften wie der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zunehmend zum verpflichtenden Reporting-Standard. Ein immer größerer Treiber sind die steigenden Anforderungen der Speditionsunternehmen, die aufgrund der Nachhaltigkeitsberichterstattung
mehr und mehr auf die Emissionswerte der Schiene angewiesen sind. Die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene birgt hinsichtlich der Nachhaltigkeit große Potenziale: Denn während ein Lkw pro Tonnenkilometer im Schnitt 119 Gramm Treibhausgase emittiert, sind es im Schienengüterverkehr nur um die 15 Gramm. Mit Voranschreiten der Energiewende und einem grüneren Energiemix steigt das Einsparpotenzial durch elektrifizierte Züge noch weiter. Durch Messbarkeit und Transparenz von Emissionsdaten kann die Schiene ihren ökologischen Vorteil als Verkehrsträger noch aussagekräftiger unter Beweis stellen. Denn während bislang oft nur pauschale Durchschnittswerte zur Ermittlung des CO₂-Fußabdrucks herangezogen wurden, benötigen Spediteure und Logistikdienstleister für ihre eigene Nachhaltigkeitsberichterstattung nun belastbare, präzise und nach anerkannten Standards und Methodiken ermittelte Emissionswerte. Nur einzelnen Sendungen zugeordnete Emissionsdaten – idealerweise auf Basis tatsächlicher Kraftstoffverbräuche – ermöglichen es ihnen, Reduktionspotenziale zu identifizieren und Maßnahmen abzuleiten.
Daten-Wirrwarr erschwert Reporting
Die Hürden auf dem Weg von Rohdaten zum kundenindividuellen Emissionsreporting sind vielfältig: Transportdaten liegen oft in Silos verstreut, zum Beispiel in Transport-Management- oder Enterprise-Resource-Planning-Systemen. Aufbereitet werden diese immer noch häufig in unterschiedlichen Excel-Tabellen verschiedener Business Units oder Ländereinheiten, die dann von Nachhaltigkeitsmanagern in der
Unternehmenszentrale mühsam in manueller, ermüdender und fehleranfälliger Kleinarbeit aggregiert werden müssen. Die Herkunft der ihnen übermittelten Daten ist oft unbekannt, die Korrektheit daher unklar, was häufig Nachfragen nach sich zieht und so noch mehr Zeit kostet. Doch die Herausforderung liegt nicht nur im Sammeln der Daten. Sie müssen auch konsistent sein, um die komplette Transportkette abzubilden. Zudem sollten Emissionen nach wissenschaftlich fundierten und international anerkannten Standards und Regelwerken kalkuliert werden. Nur so entsteht Vergleichbarkeit – und damit echter Mehrwert für alle Beteiligten. Doch Emissionsfaktoren und Methodiken ändern sich regelmäßig, was die Komplexität zunehmend erhöht. Transportdaten vollständig zu erfassen, zu bereinigen, anzureichern und auf der neu geschaffenen Basis präzise CO₂-Emissionsdaten zu kalkulieren, erfordert nicht nur technologisches Know-how, sondern auch ein tiefes Verständnis der branchenspezifischen Herausforderungen. Die Datenqualität wird zum entscheidenden Faktor.
Nachhaltigkeitspionier auf Partnersuche
Kombiverkehr bietet seinen Kunden bereits seit 2009 Emissionsberechnungen in der Fahrplanauskunft an, ein überzeugender Beleg für dessen Nachhaltigkeitsambitionen. Aufgrund neuer, steigender Anforderungen seitens Kunden und Regulatorik suchte der Intermodal-Operateur einen verlässlichen Partner für Emissionsmanagement und fand ihn mit shipzero. Die Berechnungsmethodik des Unternehmens erfüllt sowohl das maßgebende GLEC-Framework (Global Logistics Emission Council) als auch den grundlegenden internationalen Standard ISO 14083, zentrale Grundlagen für das Quantifizieren und Messen von Treibhausgasemissionen in multimodalen und weltweiten Transportketten. shipzero konnte Kombiverkehr mit Technologieoffenheit, Zertifizierungen und Referenzen überzeugen. Technologieoffenheit heißt in diesem Fall unter anderem, dass der Datenspezialist in der Lage ist, jegliche Art und Menge von Daten zu verarbeiten, die ihm zur Verfügung gestellt werden.
Wie nachhaltig ist die Schiene wirklich?
Zusammen mit shipzero arbeitet Kombiverkehr seit Anfang 2025 an einer datenbasierten Antwort. Kombiverkehr ist für shipzero ein strategisch wertvoller Partner. Einerseits nutzen bereits viele Speditionskunden von shipzero auch Kombiverkehr als Dienstleister, wodurch sich Datenströme verknüpfen lassen. Darüber hinaus kann die Emissionsmanagementplattform ihren Fokus auf Primärdaten auch auf die Schiene ausweiten und in dem Zuge Infos zu Meldepunkten und genauen Routenverläufen integrieren.
Über die Emissionsdatenplattform von shipzero sollen 100 Prozent aller Kombiverkehr-Transporte in Europa genau erfasst werden, um den Ausstoß von Treibhausgasen akkurat zu messen. Basis wird der einzelne Trailer, Container oder Wechselbehälter sein, der zwischen einem Versand- und einem Zielterminal – oft auch über mehrere Zwischenterminals hinweg – auf der Schiene transportiert wurde. Damit stellt Kombiverkehr die Systematik in der Transportbilanzierung von Gesamtstatistiken, die die Kunden einmal im Jahr für ihre Transporte bisher erhalten haben, auf eine auftragsspezifische Bilanzierung um. Die Emissionswerte für den jeweiligen Transportauftrag werden den Kunden zukünftig innerhalb von 24 Stunden nach Beendigung zur Verfügung gestellt. Angereichert sind die Daten mit Geo-Meldepunkten, durch die die exakte Route eines Zuges für die Berechnung der Emissionen digital nachvollziehbar gemacht wird. Gerade wenn der reale Schienenverlauf vom Fahrplan abweicht, ist die tatsächliche geografische Route von besonderer Bedeutung für die korrekte Berechnung der Emissionen. Aufseiten von Kombiverkehr steht das IT-System CAT im Fokus des Geschehens, mit dem die komplette Auftragsabwicklung der Schienentransporte realisiert wird. Denn hier werden die per Datenaustausch gelieferten Emissionswerte mit den Transportaufträgen verheiratet, die Kombiverkehr vorher in anonymisierter Form mit den für die Berechnung erforderlichen Parametern shipzero hat zukommen lassen. Über Schnittstellenlösungen gelangen die Umweltbilanzen in nachgelagerte IT-Applikationen mit Kundenzugang des Frankfurter Operateurs. Im Portal „meinKombiverkehr“ möchte das Unternehmen den Spediteuren die Emissionswerte pro Transportauftrag darstellen. Anwender können sich die Emissionsdaten herunterladen und je nach Verwendungszweck selektieren und aufbereiten. Die Bereitstellung der Emissionsbilanzen wird rückwirkend auf Basis der Transporte ab Jahresbeginn 2025 erfolgen.

Nachhaltigkeit als Geschäftsvorteil nutzen
Die Partnerschaft zwischen Kombiverkehr und shipzero schafft für unterschiedliche Akteure konkrete Vorteile. Für Spediteure und Verlader vereinfacht sich die Berichterstattung erheblich. Sie erhalten verlässliche Emissionsdaten direkt vom Transportanbieter und können diese nahtlos in ihre eigene Nachhaltigkeitsbilanz integrieren. Für Kombiverkehr selbst entsteht ein doppelter Nutzen: Das Unternehmen erfüllt nicht nur die wachsenden Kundenanforderungen, sondern stärkt gleichzeitig seine Marktposition.
Die Branchenrelevanz geht jedoch weit über einzelne Unternehmen hinaus. In einer Zeit, in der die politischen Weichen klar Richtung Nachhaltigkeit gestellt werden, kann der Schienengüterverkehr seine Umweltvorteile noch deutlicher als zuvor mit harten Zahlen belegen. Dies könnte ein entscheidender Faktor sein, um den von der Politik angestrebten Modalwechsel von der Straße auf die Schiene zu beschleunigen. Der Umweltvorteil und die Emissionstransparenz kann im Einzelfall neben dem Preis-Leistungsverhältnis zum Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb der Verkehrsträger werden. Die Partnerschaft mit shipzero ist für Kombiverkehr ein wichtiger Schritt, um den Kombinierten Verkehr als nachhaltige Transportlösung nicht nur bei Bestandskunden zu etablieren, sondern auch für potenzielle Neukunden greifbar zu machen. Dabei geht es nicht nur um CO₂-Reduktion als abstrakte Größe, sondern um konkrete Geschäftsvorteile. Unternehmen, die ihre Warenströme auf die Schiene verlagern oder besonders emissionsarme Transportkorridore gezielt vermarkten, können ihre eigene Klimabilanz verbessern und gleichzeitig regulatorische Risiken minimieren. Die Verknüpfung von ökologischen und ökonomischen Aspekten ist der Schlüssel. Nachhaltigkeit bietet die Chance zum Wettbewerbsvorteil.

Schiene gewinnt dank präziser Daten
Die Kooperation zwischen Kombiverkehr und shipzero zeigt exemplarisch, wie der Schienengüterverkehr regulatorische Anforderungen in Wettbewerbsvorteile umwandeln kann. Durch präzise Emissionsdaten wird der Umweltvorteil der Schiene nachweisbar. Die Kombination aus Digitalisierung und Nachhaltigkeit wird zum strategischen Erfolgsfaktor im Transportmarkt der Zukunft.
Über shipzero
shipzero ist die branchenführende Datenplattform für effektive CO2-Emissionsreduktion. Das 2018 in Hamburg gegründete Unternehmen hilft Logistikdienstleistern, Spediteuren und allen Unternehmen, die Waren rund um den Globus versenden, Transportemissionen zu managen, CO2-Transparenz zu gewinnen und ihren Weg zur Klimaneutralität mit entscheidungsorientierten Informationen zu erleichtern, die auf Daten basieren anstatt auf Bauchgefühl. Das Team vereint 60+ Experten aus den Bereichen Datenmanagement, Logistik und Nachhaltigkeit. shipzero verfolgt mehr als 180 Millionen Transporte in über 130 Ländern und ist spezialisiert auf die Integration von Primärdaten, um eine präzise Berechnung von Emissionen zu gewährleisten. Die Methodik ist vom Smart Freight Centre zertifiziert, vollständig mit dem internationalen GLEC Framework 3.1 abgestimmt und entspricht den ISO 14083-Standards.
Informationen zur Berechnung von Transportemissionen bei der Kombiverkehr KG erhalten Sie von
Jan Weiser, Leiter Unternehmenskommunikation, +49 69/7 95 05-142, jweiser@kombiverkehr.de
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